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| 1980-1985 | CH: Im schweizerischen
Mittelland wird mit Unterstützung des Bundes mit
Drogenhanf-Saatgut ein ungeschütztes Freiland-Anbauexperiment
durchgeführt (Thomas Kessler),- mit sensationellen Ergebnissen
CH: Zwischen 1980 und 1982 formieren sich im ganzen Land Legalisierungsbewegungen, wie z.B. die "Aktion freies Cannabis" (BS), das "CDC - Cannabis-DokumentationsCenter" (BS), das "CHIT - Comite helvetique pour l'introduction du Tetrahydrocannabinol" (GE/VD), die "Coordination Legalize It!" (ZH), das "Sekretariat für Rechtsgleichheit im Drogenkonsum" (ZH), die "AG Legalize" (BE), der "Verein für freie Drogeninformation" (BE), usw. Der Mobilisierung von AktivistInnen kommt zugute, dass viele "Bewegte" in dieser von wöchentlichen Tränengasorgien geprägten Zeit ("AJZ-Krawalle") so richtig Bock auf frech - frisch - friedliche Happenings haben. (Bei den meisten Legalisierungs-Gruppierungen ist jedoch nach einigen Monaten voller endloser Sitzungen und einiger Flugblatt- oder Zeitungsproduktionen die Luft draußen.) Überhaupt ist Cannabis Anfangs der 80er ein großes Thema; aufsehen erregende Gerichtsurteile, breit publizierte Gutachten, und viel Aktivität an der Hanffront sorgen für beinahe konstante Präsenz in den Medien. Kaum jemand, der nicht seinen Hanfgarten darauf verwetten würde, dass die Legalisierung in den nächsten 3-5 Jahren Realität wird. |
|---|---|
| 7. Februar 1980 | D: Das "Symposium Drogenpolitik" an der Universität Bremen fordert in seiner Schlussresolution die Entkriminalisierung des Umgangs mit Cannabis. |
| März 1980 | USA: Das Magazin "High-Times" reportiert das Drogenkonsumverhalten in Amerikas Spitzenpolitik, u.a. werden Dave Quayles Marihuana-Zeit am College und die kalifornischen Joints der Familie Reagan erwähnt. |
| 12. April 1980 | CH: In Basel findet das erste groß angelegte und polizeilich bewilligte "Treffen der Cannabis-Freunde" auf dem Barfüsserplatz statt (= Smoke-In); ca. 800 Leute kiffen um die Wette |
| 27. Mai 1980 | CH: Das Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG) rät dem Eidg. Departement des Innern von Überlegungen hinsichtlich einer Liberalisierung der Cannabisgesetzgebung ab. |
| 3. September 1980 | CH: Der Autor der ersten schweizerischen Broschüre über Cannabisgebrauch, -Anbau und -Kultur bekommt Besuch von der Polizei, die Graspflanzen beschlagnahmen, sowie 1000 Exemplare der beanstandeten Broschüre "Grass macht Spass". Im Dezember wird er zu 10 Tagen Haft bedingt und 600 Fr. Gerichtskosten verurteilt. (Grund: Bekanntgabe von Mitteln und Wegen zum Drogenkonsum) |
| 1980-1982 | CH: Es fällt auf, dass die Verfahren wegen Haschischkonsum gegen Mitglieder der "Bewegungen" explosionsartig zunehmen. Einmal mehr wird das Cannabisverbot zur Disziplinierung ungeliebter Bevölkerungskreise eingesetzt. |
| 1981 | USA: Ronald Reagen macht den
"erbitterten Marihuana-Gegner" (Selbsteinschätzung) und
früheren CIA-Direktor George Bush zum Direktor der
Drogenverfolgungsbehörde (bis 1988). Bush gilt als Lobbyist
der Pharmaindustrie (seit 1977 Direktor bei "Eli Lilly",
Grossaktionär bei verschiedenen Pharma-Firmen, z.B. "Abbott-Laboratorie",
"Bristol-Myers" und "Pfizer"). Einmal mehr steht der
Rehabilitierung der medizinalen Anwendung von Cannabis ein
einflussreicher Politiker im Weg. Das Engagement von Bush im Pharmasektor ist insofern von Bedeutung, als dass diese Branche alles andere als begeistert von der immer lauter ertönenden Forderung ist, das Naturprodukt Cannabis zu medizinischen Zwecken zuzulassen. Lag der Wirtschaftskonflikt anfangs des Jahrhunderts zwischen Hanf und Petrochemie, so ist es jetzt vor allem die Pharmaindustrie, die um Pfründe fürchtet. Die WHO zieht Bilanz: weltweit gebe es 437,5 Millionen CannabiskonsumentInnen. Die Zahl der bei der WHO registrierten Cannabis-ExpertInnen liegt bei 12'732 |
| 17. März 1981 | CH: Die National- und Ständerätliche Kommission empfängt die Petitionäre von "Rechtsgleichheit beim Drogenkonsum" im Bundeshaus, hört sich unverbindlich freundlich die Anliegen an und befingert verlegen die überreichten Joints. |
| 25. April 1981 | CH: Auf dem Barfi in Basel findet das "2. Traditionelle Frühlings-Treffen der Cannabis-Freunde statt" |
| 9. Mai 1981 | CH: In Lausanne (VD) findet das 1. Westschweizer "Cannabis-Fest" statt. Der Polizeivorsteher bewilligt das Happening mit der Begründung, dass zwar das Rauchen von Cannabis verboten sei, nicht aber dessen Verwendung "zu ästhetischen Zwecken" Als sich dann trotzdem dicke Rauchschwaden über der Veranstaltung ausbreiten, kesselt die empörte Polizei die SünderInnen ein und vermerkt zornig im Rapport, dass die Veranstaltungsbewilligung auf das schändlichste missbraucht worden sei. |
| Juni 1981 | D: Das Betriebsfest des Frankfurter Rauschgiftdezernates artet aus: Ein Beamter (ex-Bäcker) hat 300 Gramm (!) Haschisch aus beschlagnahmten Beständen in Gebäck und Kuchen eingearbeitet und seinen Kollegen serviert (5 landen im Krankenhaus). |
| 06. Juni 1981 | CH: Auf dem Bundesplatz in Bern
findet das erste nationale "Treffen der Cannabis-Freunde"
statt. Am späteren Nachmittag verschmilzt das Smoke-in mit
einer Anti-AKW-Demo zu einer unüberschaubaren qualmenden
Masse: unter dem Motto "Dampfen können wir selber" wird
gegen Kühltürme und für Wasserpfeifen manifestiert. USA: Der weltweit anerkannte Cannabis-Forscher Mechoulam schätzt, dass Marihuana im Falle einer Legalisierung sofort 10-20 % aller Medikamente ersetzen würde, längerfristig könnten 40-50 % aller Medis Cannabis-Inhaltsstoffe enthalten |
| 1. Jänner 1982 | D: Das neue deutsche Betäubungsmittelgesetz tritt in Kraft. Cannabis und seine Derivate stehen an erster Stelle in der Liste nicht verkehrsfähiger Drogen. Neu sind nun nicht mehr nur die psychotropen Teile der Pflanze verboten - das ganze Gewächs von der Wurzel bis zur Blütenspitze unterliegt nun der Prohibition. |
| 10. März 1982 | CH: Die Lausanner Behörden lehnen ein Gesuch für eine Neuauflage des "Cannabis-Festes" der Bewegung "Lausanne bouge" entschieden ab. Die VeranstalterInnen ziehen den Fall vor das Bundesgericht (Entscheid vom 7.12.82: Die Absage war aufgrund der Vorfälle von 1981 korrekt). |
| 8. Mai 1982 | CH: Auf dem Barfi in Basel findet das "3. Traditionelle Frühlings-Treffen der Cannabis-Freunde statt" (über dem sich eine dicke Rauchwolke ausbreitet) |
| September 1982 | USA: Das Magazim Omni hält fest, dass Nabilone verglichen mit naturgewachsenem Marihuana "nutzlos" ist und mokiert sich über die millionenschweren Forschungsprojekte der Pharmakonzerne. |
| September 1983 | USA: Die Reagan/Bush-Regierung sondiert bei Bibliothenken und Universitäten, inwieweit die Möglichkeit besteht, die gesamten Materialien und Protokolle der Cannabis-Forschung aus den Jahren 1966-1976 dem Zugriff der Öffentlichkeit zu entziehen. WissenschaftlerInnen und MitarbeiterInnen finden das Unterfangen derart lächerlich, dass die Regierung schließlich darauf verzichtet (Dennoch sind seither große Mengen an Material aus Bibliotheken und Archiven verschwunden, z.B. das Original des Films "Hanf für den Sieg"; bis ins Jahr 1958 zurück sind zudem sämtliche Erwähnungen des Films aus den offiziellen Dokumentationen getilgt worden) |
| 21. September 1983 | CH: Das Bundesgericht setzt die quantitative Grenze für die Erfüllung des strafverschärfenden Tatbestandes der "zur Gefährdung einer größeren Anzahl Menschen" nötigen Menge Haschisch auf 4 kg fest. |
| 1985 | CH: Thomas Kessler publiziert in seinem Buch "Cannabis
Helvetica" die Resultate der Anbauversuche von Drogenhanf in der
Schweiz und beweist, dass der THC schweizerischen Marihuanas
weit über dem von Import-Haschisch liegt. Passionierte
Hobbypflanzer sehen sich bestätigt, diejenigen, die für
Schweizer Gras bislang nur ein müdes Lächeln übrig hatten,
zeigen sich plötzlich sehr interessiert. Der Status (und damit
auch der Gassenpreis) einheimischen Grases steigt USA: Die Milton Wisconsin High School führt obligatorische wöchentliche Urintest für ihre Jugendlichen ein (auf Forderung radikaler Elterngruppen). Schnell wird ruchbar, dass auch Firmen bei ihren Angestellten nach Drogenkonsum fahnden. USA: Gemäß NORML liegt Marihuana mit einem geschätzten Jahresumsatz von 18.5 Milliarden Dollar in der Rangliste der profitabelsten einheimischen Nutzpflanzen auf Platz 1 (weit vor Mais) |
| 1988 |
USA: Das Verwaltungsgericht fordert mit einem rechtskräftigen
Urteil die DEA auf, Ärzten die Erlaubnis zum Verschreiben von
Marihuana zu erteilen. Die verschleppt erst und DEA weigert sich
schließlich. USA: Die New Yorker Journalistin Peggy Mann ("Das Beste aus Reader's Digest") versucht, die längst widerlegten Anti-Hanf-Geschichten von Nahas, Munch und Anslinger zu reaktivieren und schreibt "Haschisch - die Zerstörung einer Legende". Die gesamte Fachwelt distanziert sich nach dem ersten Lesen von dem Machwerk, reaktionäre Gruppierungen (z.B. VPM) erheben das Buch zu einer Art Drogenbibel. USA: Hunderte von Schulen, sowie viele Sportvereine und Arbeitgeber führen obligatorische Urintests ein. um sich über allfälligen Cannabiskonsum der Unterstellten zu informieren. |
| 19. Dezember 1988 | USA: Die Vereinten Nationen haben wieder einmal ein internationales Vertragswerk zur koordinierten Repression ausgebrütet: Das "Wiener Übereinkommen gegen den unerlaubten Verkehr mit Suchtstoffen und psychotropen Stoffen" wird beschlossen. |
| 1989 | CH: Hans-Jakob Peter beklagt in seiner Lehrschrift "Flachs
und Hanf", dass der Hanfanbau kaum mehr möglich sei, weil die
Felder regelmäßig von Nachtbuben abgeerntet würden. (und das,
obwohl die verwendeten Hanfsorten nach offizieller Darstellung
keine Rauschwirkung haben sollen) USA: Der "war on drugs" strebt neue Höhepunkte an Für "Anti-Drogen-Spots" werden Sendezeit und Anzeigeflächen im Wert von einer Milliarde Dollar zur Verfügung gestellt. Die Etats für diese Werbung, sowie großzügige Unterstützung von "Drug-Free America"-Initiativen kommen im Wesentlichen aus den Spendenkassen der Pharmaindustrie, der Apothekerverbände und von Tabak-, Schnaps- und Bierproduzenten. Ganz oben auf der Freizügigkeitsliste stehen Namen wie Anhauser, Bush, Coors, Philip Morris, usw. Apropos Philip Morris (Marlboro u.a.): der Etat für die hauseigenen Suchtmittel beläuft sich in diesem Jahr auf rund 2 Milliarden Dollar. |
| 30. März 1989 | Beginn des Gründungskongresses der Internationalen Liga für die Drogenfreigabe. |
| Geschichte: |
v.Chr., n.Chr. - 20. Jhdt, 1900-1950, 1950 bis 1959, 1960 bis 1969, 1970 bis 1979, 1980 bis 1989, 1990 bis 1999, ab 2000 |