Andreas Holy versteht nach Urteil die Welt nicht mehr

Statt Cannabis teure Medikamente

TRIBUSWINKEL. - Ing. Andreas Holy, 40, aus Tribuswinkel, versteht die Welt nicht mehr. Einerseits bekommt er von einem Facharzt das chefarztpflichtige Medikament Dronabinol verschrieben, das pro Monat 350 Euro kostet, und das die Krankenkasse nach Genehmigung zahlt, andererseits fasste er von einem Schöffengericht ein Jahr bedingt für eine Dauer von drei Jahren aus - wegen des Besitzes von Hanfpflanzen.

Aber genau das von Holy für den Eigenbedarf aus den Hanfpflanzen produzierte Cannabisprodukt enthält das verbotene THC, das ihm verschiedene Leiden lindert und im Medikament Dronabinol halbsynthetisch hergestellt, enthalten ist. „Ich habe mir das THC quasi in Eigenproduktion sehr kostengünstig produziert und rechnet man das über die vergangenen zehn Jahre, habe ich der Krankenkasse damit 44.000 Euro an Medikamentenkosten erspart.“ Holy leidet nach eigenen Angaben und offenbar vom Arzt bestätigt an Bluthochdruck, erhöhtem Augendruck, Gelenk- und Rückenschmerzen, zeitweiser Magen- und Darmverstimmung, Schlafstörungen und Schuppenflechte und „durch die Scherereien mit dem Gericht habe ich nun auch psychische Probleme. Aber alle meine Leiden kommen nicht vom Cannabis-Konsum, sondern wurden damit nur gelindert“. Holy erinnert daran, dass in der Schweiz und Deutschland auf politischer Ebene bereits ernsthaft darüber nachgedacht wird, den Besitz von Cannabisprodukten zu entkriminalisieren und dass das in Österreich u.a. von der Sozialistischen Jugend und den Grünen gefordert wird. Seine Berufung gegen das Urteil des Schöffengerichtes wurde abgelehnt. „Mit der Begründung, dass meine Leiden nicht schwer genug seien, wenn es sich um Krebs oder Aids handeln würde, wäre das etwas anderes.“ Ein Berufungssenat wird allerdings noch darüber entscheiden, ob das Strafausmaß beibehalten wird oder nicht. Holy produzierte, die „BZ“ berichtete, seit 13 Jahren Cannabis, „um mit der einschlägigen Szene nicht in Berührung zu kommen.“ Er meint außerdem: „Ich habe niemandem etwas getan, bloß Hanf angebaut und das Produkt ausschließlich selbst konsumiert.“ Seine Hanfproduktion flog zufällig auf. Die Gendarmerie läutete an seiner Türe und fragte, ob er eine schwarzafrikanische Flüchtlingsfrau und ihr Kind bei sich versteckt halte - und ob man sich bei ihm deswegen umsehen dürfe. Die Flüchtlingsfrau war nicht zu finden, aber dafür die Hanfpflanzen.

Peter Selb

[Badener Zeitung vom 4.1.2005]