Warum Hanf verboten ist

Harry Jacob Anslinger, auch bekannt als "der Vater der Prohibition", wurde am 20. Mai 1892 in Pennsylvania geboren. Er wuchs in einer Zeit auf, in der Verbote nahezu so populär waren wie heutzutage. 1920 trat in den USA die Alkohol-Prohibition in Kraft. Sie war zwar nicht sonderlich erfolgreich, kostete aber unzählige Todesopfer und machte nebenbei die Mafia stark. Anslinger hat wohl dennoch geprägt. 

1929 meldete sich der damalige Diplomat und Hobbyjournalist das erste Mal zum Thema Drogen zu Wort und schrieb in einem Zeitungsartikel vom lückenlosen funktionieren der Alkoholprohibition. Dafür wurde er vom damaligen Finanzminister der Vereinigten Staaten, seinem Schwiegeronkel, zum stellvertretenden Kommissar für die Alkoholprohibition einberufen. Er arbeitete sich bis zum Direktor des neu gegründeten "Federal Bureau of Narcotics" empor. Diese war dazu gegründet worden, den Verkehr mit Opiaten zu regeln. In einem Konkurrenzkampf mit dem damaligen FBI-Chef Edgar Hoover, tat er sein möglichstes, diesem die Hoheit über die Verfolgung von Cannabis-Delikten zu entreissen. Diesem Zwecke diente eine nicht vergleichbare Hetzkampagne, deren Motive noch heute gerne von Cannabis-Gegnern benutzt werden. Mit einem entsprechenden Sonderetat leitete er eine Imagekampagne ein, die Cannabis zum "Mörderkraut" denunzierte, das vor allem von "Neger, Mexikaner, Puertoricaner und Jazzmusiker" dazu benutzt werde, um weisse Frauen gefügig zu machen. Cannabis wurde nachgesagt, dass es letal (tödlich) wirke und wahnsinnig mache.

Der Erfolg gab ihm Recht! 1933 erschienen die ersten Horrormeldungen in den Zeitungen, 1936 der Film "Reefer Mafness" und 1937 reagierte der Gesetzgeber: Die Marihuana Tax Act trat in Kraft, was das Verbot von Hanf in den USA bedeutete. Die Kontrolle des Verbots war Anslingers Behörde unterstellt. 1943 forderte Anslinger auch ein Verbot der Jazzmusik, da diese offensiv für Drogen werbe.

1944 wurde der LaGuardia-Report veröffentlicht, in dem das "Grasrauchen" mit keinen besonderen Gefahren in Verbindung gebracht wurde. Anslinger drohte alle an der Studie beteiligten ins Gefängnis zu werfen.

1947 wird Anslinger Mitglied der UN-Drogenkommission, wo er seine Politik erfolgreich fortsetzen konnte.

1948 stellt er seine Verteufelungsargumente selbst auf den Kopf indem er behauptete Cannabis würde so friedlich machen, dass die Kommunisten damit versuchen könnten, den Kampfgeist der Amerikanischen Armee zu untergraben. Einige Jahre später brachte er das Gerücht auf, dass Cannabis-Konsumenten früher oder später automatisch auch zu härteren Drogen greifen - das Märchen der Einstiegsdroge war geboren, das sich auch heute noch in vielen Köpfen hält. Im selben Jahr wurde Anslinger zum Vorsitzenden der UN-Drogenkommission und nutze diese Stellung um auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einzuwirken, damit diese Cannabis jegliche therapeutische Wirkung aberkannte.

Zehn Jahre später - Anslinger war noch immer an der Spitze der UN-Drogenkommission - schaffte er den größten Coup: Die "Single Convention of Narcotic Drugs". Diese besagt unter anderem, dass sämtliche Unterzeichnerstaaten den Hanfanbau komplett einstellen müssen und sorgt noch heute dafür, dass nationale Legalisierungsversuche gegen eine Barriere von internationalen Verträgen laufen. Diese "Single Convention" wird von reformunwilligen Politikern auch heute noch gern als Argument gebracht.

1962 werden die Zeiten für Anslinger allerdings härter: ein Kongressausschuss interessiert sich für Korruptionsfälle in seinen Reihen und der liberale Präsident Kennedy kommt an die Macht. Grund genug für Anslinger, das Federal Bureau of Narcotics zu verlassen.

Nachdem er sich komplett von der politischen Bühne verabschiedet hat, gibt Anslinger in einem späten Interview die waren Motive bekannt: "Sicherlich ist Marihuana eher harmlos, aber die Sache war ein Beispiel dafür, dass ein Verbot die Autorität des Staates stärkt."

Am 14. November 1975 stirbt Harry Anslinger, hinterlies uns aber sein zweifelhaftes Erbe, das nicht nur unzählige Cannabis-Konsumenten zu Kriminellen abqualifiziert.